Was ist eigentlich anders an NARM?
Und was unterscheidet diese Methode von anderen Formen der Psychotherapie?
Vielleicht hast du schon einmal Psychotherapie gemacht.
Vielleicht hast du über deine Kindheit gesprochen, Zusammenhänge verstanden und viel über dich gelernt.
Oder du hast eine Traumatherapie ausprobiert und dabei mit Körperempfindungen, Erinnerungen oder starken Emotionen gearbeitet.
Vielleicht hat dir das geholfen.
Und vielleicht gibt es trotzdem etwas in dir, das sich fragt:
Warum reagiere ich heute immer noch so?
Warum verliere ich in bestimmten Situationen den Kontakt zu mir?
Warum fällt es mir so schwer, Grenzen zu setzen?
Warum sehne ich mich nach Nähe und ziehe mich gleichzeitig zurück?
Warum fühle ich mich so schnell abgelehnt, beschämt oder nicht gut genug?
Und vor allem:
Wie kann ich wirklich etwas verändern – und nicht nur verstehen, warum ich so bin?
Genau an diesem Punkt beginnt für mich die Faszination von NARM.
NARM ist nicht nur eine Methode zur Verarbeitung von Trauma
NARM steht für NeuroAffective Relational Model und wurde von Laurence Heller entwickelt.
Der Ansatz richtet sich insbesondere auf Entwicklungs-, Bindungs- und Beziehungstrauma und verbindet psychologische und körperorientierte Perspektiven. NARM ist dabei aus verschiedenen psychotherapeutischen Richtungen entstanden – unter anderem aus psychodynamischen Ansätzen, Bindungstheorie, Gestalttherapie und körperorientierter Arbeit.
Das Besondere liegt deshalb vielleicht weniger darin, was NARM betrachtet, sondern wie.
Denn NARM interessiert sich nicht nur dafür:
Was ist dir passiert?
Warum bist du so geworden?
Welche Symptome hast du?
Sondern auch:
Was geschieht gerade jetzt in dir, während du davon erzählst?
Was passiert in deinem Körper?
Wie verändert sich dein Kontakt zu dir?
Was geschieht zwischen uns?
Wo fühlst du dich weit?
Wo wirst du eng?
Wo entsteht Verbindung?
Und wo beginnst du, dich von dir selbst oder von mir zurückzuziehen?
Der Blick geht nicht nur zurück
In vielen Formen von Psychotherapie spielt die Vergangenheit eine wichtige Rolle.
Wir versuchen zu verstehen, wo bestimmte Muster entstanden sind.
Das kann sehr wertvoll sein.
Denn manchmal ist es erleichternd zu erkennen:
Ah – deshalb reagiere ich heute so.
Vielleicht hast du als Kind gelernt, dich anzupassen.
Vielleicht war es nicht sicher, deine Bedürfnisse zu zeigen.
Vielleicht musstest du früh selbstständig sein.
Vielleicht hast du gelernt, deine Gefühle zurückzuhalten.
Vielleicht hast du die Erfahrung gemacht, dass Nähe gleichzeitig schön und schmerzhaft sein kann.
Solche Erfahrungen können unser späteres Erleben prägen.
NARM interessiert sich ebenfalls für diese frühen Anpassungen.
Aber es geht nicht darum, möglichst tief in die Vergangenheit zurückzugehen oder sie noch einmal zu durchleben.
Die entscheidende Frage lautet eher:
Wie wirkt das, was damals entstanden ist, heute noch in meinem Leben?
Denn das eigentliche Problem liegt häufig nicht mehr in der Vergangenheit.
Es liegt darin, dass alte Schutz- und Beziehungsmuster im gegenwärtigen Leben weiterwirken.
Nicht: „Was stimmt mit mir nicht?“
Ein weiterer Unterschied liegt in der Haltung.
Wenn wir unter unseren eigenen Mustern leiden, denken wir schnell:
Mit mir stimmt etwas nicht.
Ich bin zu empfindlich.
Ich bin beziehungsunfähig.
Ich bin zu abhängig.
Ich bin zu distanziert.
Ich kann einfach nicht vertrauen.
NARM betrachtet solche Muster zunächst anders.
Nicht als Fehler.
Sondern als Anpassungen, die einmal sinnvoll waren.
Ein Kind, das gelernt hat, seine eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, hat nicht „falsch reagiert“.
Es hat versucht, unter den Bedingungen, die es vorgefunden hat, Verbindung und Sicherheit aufrechtzuerhalten.
Vielleicht war Anpassung damals die beste Möglichkeit.
Vielleicht war Rückzug die beste Möglichkeit.
Vielleicht war Kontrolle hilfreich.
Vielleicht war es sicherer, nichts zu brauchen.
Diese Strategien können später sehr einschränkend werden.
Aber das bedeutet nicht, dass sie ursprünglich falsch waren.
NARM spricht deshalb von Überlebensstrategien und nicht davon, dass mit einem Menschen etwas grundsätzlich nicht stimmt.
Und vielleicht verändert allein diese Perspektive schon etwas:
Ich bin nicht falsch.
Ich habe gelernt, mich auf eine bestimmte Weise zu schützen.
Und dann passiert etwas Interessantes
Stell dir vor, du erzählst mir:
„Ich kann meinem Partner einfach nicht vertrauen.“
Eine klassische therapeutische Frage könnte beispielsweise sein:
„Warum kannst du ihm nicht vertrauen?“
Wir könnten gemeinsam deine Geschichte betrachten.
Vielleicht würden wir herausfinden, woher dieses Misstrauen kommt.
Nach NARM könnten wir dagegen an einer anderen Stelle neugierig werden:
„Was passiert gerade in dir, während du mir erzählst, dass du ihm nicht vertrauen kannst?“
Vielleicht bemerkst du plötzlich eine Anspannung in deinem Bauch.
Vielleicht hältst du den Atem an.
Vielleicht wird dein Blick etwas starrer.
Vielleicht spürst du Ärger.
Vielleicht kommt der Gedanke: „Ich sollte eigentlich niemandem vertrauen.“
Und vielleicht bemerkst du gleichzeitig, dass du gerade auch mir nicht ganz vertraust.
Das ist interessant.
Denn wir reden nicht mehr nur über dein Problem.
Wir beginnen, das Muster im gegenwärtigen Moment zu erforschen.
Genau darin liegt ein wesentlicher Bestandteil von NARM.
Auch dein Körper spricht
Vielleicht kennst du Psychotherapie vor allem als etwas, bei dem man sitzt und spricht.
Man erzählt.
Die Therapeutin hört zu.
Man denkt gemeinsam über Zusammenhänge nach.
Im NARM sprechen wir ebenfalls sehr viel.
Aber gleichzeitig interessiert uns:
Was macht dein Körper gerade mit dem, was du erzählst?
Denn unsere Beziehungserfahrungen leben nicht nur in unseren Gedanken.
Sie zeigen sich auch körperlich.
In Anspannung.
Im Atem.
In einem Druck auf der Brust.
In einem Kloß im Hals.
In dem Impuls, wegzuschauen.
In dem Bedürfnis, sich zurückzuziehen.
Oder vielleicht auch in einem Gefühl von Wärme, Weite und Lebendigkeit.
NARM verbindet deshalb sogenannte Top-down- und Bottom-up-Prozesse: Wir arbeiten sowohl mit Gedanken und emotionalem Erleben als auch mit Körperwahrnehmung und dem Nervensystem.
Dabei geht es nicht darum, den Körper irgendwie „zu bearbeiten“.
Sondern ihn als eine weitere Informationsquelle kennenzulernen.
Du musst deine Gefühle nicht loswerden
Vielleicht hast du schon einmal gehört:
„Du musst deine Angst überwinden.“
Oder:
„Du musst lernen, deine Wut loszulassen.“
Oder:
„Du solltest dich nicht mehr so abhängig machen.“
NARM geht einen etwas anderen Weg.
Die Frage ist nicht unbedingt:
Wie werde ich dieses Gefühl los?
Sondern:
Kann ich neugierig darauf werden, wie dieses Gefühl gerade in mir entsteht?
Kann ich es wahrnehmen, ohne sofort danach handeln zu müssen?
Kann ich bei mir bleiben, wenn Scham auftaucht?
Kann ich Ärger spüren, ohne den anderen anzugreifen?
Kann ich Angst wahrnehmen, ohne mich sofort zurückzuziehen?
Kann ich Nähe zulassen und gleichzeitig bei mir bleiben?
Das ist etwas anderes als reine Symptomkontrolle.
Es geht um die Fähigkeit, mit dem eigenen Erleben in Kontakt zu bleiben.
NARM arbeitet deshalb eher mit Regulation und Integration als mit einer möglichst starken emotionalen Entladung. Der Ansatz bezeichnet sich selbst als nicht-regressiv und nicht-kathartisch.
Die Beziehung zwischen dir und mir wird Teil der Arbeit
Und dann gibt es noch etwas, das für NARM besonders wichtig ist:
Unsere Beziehung.
Nicht nur deine Beziehung zu deinem Partner.
Nicht nur deine Beziehung zu deinen Eltern.
Sondern auch das, was zwischen dir und mir als Therapeutin geschieht.
Vielleicht erzählst du mir etwas und hast plötzlich das Gefühl:
„Du verstehst mich nicht.“
Oder:
„Du findest bestimmt, dass ich mich falsch verhalte.“
Vielleicht möchtest du mir etwas beweisen.
Vielleicht möchtest du, dass ich dir zustimme.
Vielleicht möchtest du dich zurückziehen.
Oder du merkst:
„Irgendwie fällt es mir schwer, dir zu zeigen, was gerade wirklich in mir passiert.“
Auch das ist nicht falsch.
Es ist interessant.
Denn möglicherweise zeigt sich genau hier ein Muster, das du auch aus anderen Beziehungen kennst.
Wir müssen es nicht nur theoretisch verstehen.
Wir können es im Kontakt miteinander wahrnehmen.
Und vielleicht entsteht dadurch etwas Neues.
Eine Erfahrung von:
Ich kann mich zeigen und trotzdem verbunden bleiben.
NARM fragt nicht nur: Was ist dein Problem?
Vielleicht ist das einer der größten Unterschiede.
Wenn wir lange mit uns selbst kämpfen, sehen wir irgendwann hauptsächlich das, was nicht funktioniert.
Ich kann nicht vertrauen.
Ich kann keine Nähe zulassen.
Ich bin zu angepasst.
Ich bin zu kontrollierend.
Ich bin emotional abhängig.
Ich bin immer so schnell verletzt.
NARM fragt daneben:
Was funktioniert in dir bereits?
Wo gibt es Lebendigkeit?
Wo gibt es Kontakt?
Wo kannst du dich selbst spüren?
Wo kannst du für dich einstehen?
Wo kannst du Nein sagen?
Wo kannst du dich öffnen?
Wo gibt es bereits ein Gefühl von Sicherheit?
Die Aufmerksamkeit richtet sich also nicht ausschließlich auf das, was fehlt.
Sie richtet sich auch auf das, was schon da ist.
Das wird in NARM als ressourcenorientierte Arbeit verstanden.
Und manchmal entsteht Veränderung nicht dadurch, dass wir immer intensiver auf das Problem schauen.
Sondern dadurch, dass wir wieder entdecken, was in uns bereits lebendig und tragfähig ist.
Du bist nicht deine Überlebensstrategie
NARM fragt auch, wo wir uns mit Gedanken, Gefühlen oder Körperempfindungen identifizieren.
Wo wir etwas vom Außen angenommen und gelernt haben, um besser da sein zu können.
Und wo wir glauben, die Geschichte zu sein, die wir über uns selbst erzählen.
NARM interessiert sich dafür, wie wir uns mit solchen Vorstellungen identifizieren.
„Ich bin eben so.“
„Ich kann nicht anders.“
„Ich brauche immer jemanden.“
„Ich darf niemandem vertrauen.“
„Ich muss alles alleine schaffen.“
Vielleicht sind das nicht einfach Wahrheiten über dich.
Vielleicht sind es Muster, die irgendwann einmal entstanden sind.
Und vielleicht kannst du beginnen, sie zu erforschen.
Nicht mit dem Ziel, sie gewaltsam loszuwerden.
Sondern mit der neugierigen Frage:
Wer bin ich, wenn ich mich nicht vollständig mit diesem Muster identifiziere?
Was NARM also von anderen Psychotherapien unterscheidet
Es gibt viele gute psychotherapeutische Ansätze.
Und NARM steht nicht außerhalb dieser Entwicklung.
Im Gegenteil: Der Ansatz verbindet Elemente verschiedener psychotherapeutischer Richtungen mit körperorientierter Arbeit und einem starken Fokus auf Beziehung und Selbstregulation.
Vielleicht lässt sich der Unterschied deshalb am besten so beschreiben:
NARM versucht nicht in erster Linie, dich zu reparieren.
Es versucht, gemeinsam mit dir zu erforschen, wie du dich im Laufe deines Lebens organisiert hast – und was heute wieder möglich werden möchte.
Nicht nur:
Was ist passiert?
Sondern:
Was geschieht jetzt?
Nicht nur:
Was stimmt nicht mit mir?
Sondern:
Wie habe ich gelernt, mich zu schützen?
Nicht nur:
Wie bekomme ich dieses Symptom weg?
Sondern:
Was steht meiner Verbindung zu mir selbst und zu anderen im Weg?
Nicht nur:
Wie kann ich mich verändern?
Sondern:
Was wird möglich, wenn ich mich selbst immer besser wahrnehmen und verstehen kann?
Vielleicht musst du dich gar nicht reparieren
Vielleicht bist du nicht kaputt.
Vielleicht gibt es in dir sehr viel mehr Gesundheit, Lebendigkeit und Fähigkeit zur Verbindung, als du im Moment spüren kannst.
Und vielleicht sind es nicht deine „falschen“ Eigenschaften, die dich davon abhalten.
Vielleicht sind es alte Schutzbewegungen, die einmal sehr sinnvoll waren und heute nicht mehr in derselben Weise gebraucht werden.
NARM richtet den Blick genau dorthin.
Mit Neugier.
Mit Achtsamkeit.
Mit Respekt vor dem, was du gelernt hast.
Und mit der Frage: Was möchte in dir wieder mehr Raum bekommen?
Vielleicht mehr Selbstkontakt.
Mehr Freiheit.
Mehr Lebendigkeit.
Mehr Nähe.
Mehr Eigenständigkeit.
Mehr Vertrauen.
Oder einfach das Gefühl:
Ich kann mit mir selbst verbunden bleiben – auch wenn das Leben gerade schwierig ist.
🌿 Wenn du NARM kennenlernen möchtest
In meiner Begleitung geht es nicht darum, dir zu erklären, wer du bist oder warum du so geworden bist.
Wir schauen gemeinsam.
Langsam.
Neugierig.
Mit Aufmerksamkeit für das, was gerade in dir geschieht.
Vielleicht begegnen wir dabei alten Mustern.
Vielleicht tauchen Gefühle auf.
Vielleicht bemerkst du zum ersten Mal etwas in deinem Körper, das du bisher übergangen hast.
Und vielleicht entsteht Schritt für Schritt mehr Freiheit darin, wie du mit dir selbst, mit deinen Gefühlen und mit anderen Menschen in Beziehung bist.
Wenn du spürst, dass du dich selbst besser verstehen und gleichzeitig etwas in deinem Erleben verändern möchtest, kannst du hier ein unverbindliches Erstgespräch anfragen.
Ein Gedanke zum Mitnehmen
Vielleicht geht es in Therapie gar nicht darum, jemand anderes zu werden.
Vielleicht geht es vielmehr darum, immer weniger von dem sein zu müssen, was du einmal sein musstest, um dich sicher und verbunden zu fühlen.
Und immer mehr von dem zu entdecken, wer du eigentlich bist.