
Körperarbeit zur Stress- und Traumalösung
Irene Scherz
... wenn dein Körper oft angespannt ist und du dich nach mehr Ruhe, Entlastung und Sicherheit sehnst.
Stell dir vor, dein Körper musste etwas erleben, das zu schnell, zu viel oder zu überwältigend war. Vielleicht gab es einen Unfall, einen Schockmoment oder Situationen, in denen du dich hilflos, ausgeliefert oder innerlich wie erstarrt gefühlt hast. Auch wenn das Ereignis längst vorbei ist, kann dein Nervensystem noch immer so reagieren, als wäre die Gefahr nicht vollständig vorbei.
Vielleicht bemerkst du das heute durch innere Unruhe, Anspannung, Schreckhaftigkeit, Erschöpfung oder das Gefühl, plötzlich „dicht zu machen“. Manche Menschen fühlen sich dauerhaft angespannt, andere eher abgeschnitten oder wie betäubt. Oft zeigt sich das auch in Beziehungen – zum Beispiel wenn Nähe plötzlich Stress auslöst oder Konflikte den Körper sofort in Alarm versetzen.
Vielleicht erkennst du dich hier wieder:
- Seit einem Unfall, einer Trennung oder einer überwältigenden Situation erschrickst du schneller oder fühlst dich unsicher.
- Du vermeidest bestimmte Orte, Situationen oder Gespräche, weil dein Körper sofort mit Stress reagiert.
- Du „funktionierst“ ständig, innerlich hast du aber das Gefühl, den Kontakt zu dir selbst verloren zu haben.
- Du gerätst schnell in Stress und fühlst dich schon von kleinen Dingen überfordert.
- Du merkst, wie angespannt und erschöpft dein Körper inzwischen ist und selbst Ruhe sich nicht mehr wirklich erholsam anfühlt.
- Du leidest unter innerer Unruhe, Schlafproblemen oder ständiger Anspannung.
- In bestimmten Situationen bist du plötzlich wie erstarrt, schaltest dich innerlich ab oder „machst dicht“.
- Du wirst häufig von Gefühlen wie Wut, Angst oder Traurigkeit überflutet und verstehst nicht, warum diese Reaktionen so stark sind.
- Dein Körper zeigt Symptome, obwohl medizinisch „nichts gefunden“ wurde.
- Du wartest schon lange auf einen Therapieplatz und wünschst dir in dieser Zeit Unterstützung für dein Nervensystem.
Der Körper erinnert sich
In der körperorientierten Traumatherapie nach Somatic Experiencing und TRE (Tension and Trauma Releasing Exercises) gehen wir davon aus, dass der Körper sich an überwältigende Erfahrungen erinnert – auch dann, wenn wir sie mental längst als „vorbei“ einordnen.
Wenn wir in einer bedrohlichen oder überfordernden Situation sind, reagiert unser Nervensystem automatisch mit Schutzreaktionen wie Fight, Flight oder Freeze. Dabei entsteht viel Energie im Körper, die uns eigentlich helfen soll zu handeln oder zu fliehen. Wenn diese Reaktionen jedoch nicht vollständig ausgeführt werden können, bleibt diese Energie im Nervensystem gebunden.
In Somatic Experiencing arbeiten wir genau mit diesen „unterbrochenen Reaktionen“. Der Körper bekommt in kleinen, achtsamen Schritten die Möglichkeit, diese Schutzimpulse nachträglich zu vollenden. Das kann durch langsam und bewusst ausgeführte Hand- und Fußbewegungen passieren.
TRE geht einen ähnlichen Weg, noch näher am Nervensystem: Über ein natürliches neurogenes Zittern kann der Körper die im Nervensystem gespeicherte Stressenergie wieder entladen – so wie es auch in der Natur beobachtet werden kann.
Ein bekanntes Beispiel ist das Gnu in freier Wildbahn:
Nach einer Stress- oder Bedrohungssituation fällt es zunächst in einen Zustand von Erstarrung. Sobald die Gefahr vorbei ist, beginnt der Körper zu zittern – und genau dadurch reguliert sich das Nervensystem wieder zurück in einen Zustand von Ruhe und Weiterbewegung.
In der therapeutischen Arbeit kann sich dieser natürliche Mechanismus wieder aktivieren. Der Körper beginnt, gebundene Stressenergie zu lösen – in einem sicheren Rahmen und im eigenen Tempo.
Das kann sich auf unterschiedliche Weise zeigen:
- feines oder stärkeres Zittern im Körper
- tieferes Atmen oder spontane Entspannung
- Wärme, Kribbeln oder Bewegungsimpulse
- ein Gefühl von „wieder im Körper ankommen“
Auch in Beziehungssituationen, in denen Menschen sonst in Erstarrung oder inneres Abschalten (Freeze) geraten, kann diese körperliche Arbeit helfen, wieder mehr Kontakt zum eigenen Erleben zu bekommen und Spannung nicht nur mental, sondern körperlich zu verarbeiten.
So unterstützt Körperarbeit bei Trauma nicht nur das Verstehen, sondern vor allem die direkte Regulation des Nervensystems – und damit die Möglichkeit, wieder mehr Ruhe, Präsenz und innere Sicherheit zu erleben.
Was in unserer gemeinsamen Zeit geschehen kann
In meiner Arbeit verbinde ich körperorientierte Methoden wie Somatic Experiencing® und TRE® (Tension and Trauma Releasing Exercises). Beide Ansätze arbeiten direkt mit deinem Nervensystem und ermöglichen es, Stress und traumatische Spannungen über den Körper zu lösen.
Im Mittelpunkt steht nicht das Sprechen, sondern das achtsame Wahrnehmen dessen, was sich in deinem Körper zeigt. Wir geben deinem System Raum, sich in seinem eigenen Tempo zu regulieren und zu entladen.
Dabei orientieren wir uns an einfachen, klaren Prinzipien:
- dein Körper darf führen – nichts wird erzwungen
- Entladung geschieht über das Nervensystem (z. B. Zittern, Atmung, Bewegungsimpulse)
- wir arbeiten in kleinen, sicheren Schritten
- du behältst jederzeit die Kontrolle
So entsteht ein Raum, in dem dein Körper das tun kann, was ihm bisher vielleicht nicht möglich war.
Oft zeigt sich bereits während der Sitzung oder im Anschluss daran eine spürbare Entspannung im Körper – ein Gefühl von Ruhe, Loslassen und innerem Durchatmen. Das Nervensystem kommt mehr zur Ruhe, und Anspannung kann sich lösen.
Daraus kann sich mit der Zeit mehr innere Stabilität entwickeln sowie ein wachsendes Gefühl von Sicherheit im eigenen Körper. Viele Menschen erleben zudem mehr Klarheit im Alltag und eine größere Entscheidungsfreiheit.

Damit eine echte Veränderung stattfinden kann, muss der Körper lernen, dass die Gefahr vorüber ist, und in der Realität der Gegenwart leben.
Bessel van der Kolk
Wie sich dein Körper wieder entspannen und dein Alltag leichter anfühlen kann:
Oft beginnt Veränderung nicht im Kopf, sondern im Körper. Vielleicht merkst du nach einer Sitzung zum ersten Mal seit Langem, wie sich echte Ruhe anfühlt. Der Körper wird weicher, die Atmung freier, und innerlich entsteht mehr Platz.
Manche Menschen schlafen wieder tiefer. Andere merken, dass sie beim Autofahren, in Menschenmengen oder in stressigen Situationen nicht mehr sofort in Alarm geraten. Konflikte fühlen sich weniger überwältigend an und der Körper muss nicht mehr ständig „auf der Hut“ sein.
Mit der Zeit kann dein Nervensystem lernen, dass die Gefahr vorbei ist. Dass du heute nicht mehr kämpfen, fliehen oder erstarren musst wie damals.
Vielleicht bemerkst du:
- dass du schneller aus innerer Anspannung herausfindest
- dass du dich in deinem Körper sicherer und mehr zuhause fühlst
- dass Stress dich nicht mehr sofort komplett überrollt
- dass wieder mehr Lebendigkeit, Ruhe und Präsenz möglich werden
Viele Menschen beschreiben es nicht als „große Veränderung auf einmal“, sondern eher als das Gefühl, langsam wieder im eigenen Leben anzukommen.
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Irene Scherz
Traumatherapeutin
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oder Puntagorda (La Palma)